****** Wenn man sich mit der Geschichte des Deutschrocks beschäftigt, dann kommt an The Lords nicht vorbei. Nicht unbedingt deshalb, weil sie besonders innovativ oder wegweisend für die Entwicklung der deutschen Rockmusik waren, sondern deswegen, weil sie neben den Rattles die einzige deutsche Band in den 60er Jahren war, die Erfolge verbuchen konnte. Gründet wurde die Gruppe 1959 in Berlin von Ulli Günther, Peter Donath, Klaus-Peter Lietz und Rainer Petry. Sie spielten zunächst Skiffle-Music, jene Musik, mit der in England Lonnie Donnegan zwischen 1956-1962 Hit auf Hit landen konnte und mit der auch die jungen Beatles einmal angefangen hatten. Als diese dann ab 1963 mit ihrer Musik die Hitparaden der Welt eroberten, wollte jede junge Band so klingen wie das Vorbild aus Liverpool. In Deutschland gab es den Wettbewerb „Wer spielt so wie die Beatles“, den die Lords aus Berlin gewannen. Das Motto dieses Wettbewerbs war dann Programm, in den folgenden Jahren klangen die Lords wie eine Kopie des erfolgreichen Originals aus Liverpool. Allerdings muß man ihnen fairerweise zugestehen, daß sie im Gegensatz zu vielen Gruppen aus England über ein enormes handwerkliches Können verfügten und das ihre Beatschlager beste Unterhaltung boten. Wäre da nicht das etwas holprige Englisch von Sänger Lord Ulli gewesen, so hätte man meinen können, The Lords wären eine englische Band. Ihre erste 1964 entstandene Single „Tobacco Road“ floppte noch, doch bereits ein Jahr später konnten sie mit ihrer flotten Version des Johnny Kidd Hits „Shakin‘ All Over“ den ersten Hit in Deutschland landen. Bis 1969 sollten noch 11 weitere Hits folgen, darunter die Tophits „Poor Boy“, „Greensleaves“, „Have A Drink On Me“, „Gloryland“ (der einzige Top 10 Erfolg), „John Brown’s Body“ und „People World“. Interessant ist übrigens die Tatsache, daß bis 1967 Heinz Gietz, einer der profiliertesten deutschen Komponisten und Produzenten auf dem Gebiet des Schlagers, ihre Platten produzierte. Bis 1969 landeten waren sie erfolgreich, dann ließ aufgrund des sich verändernden Publikumsgeschmack das Interesse an der Band nach. 1971 trennten sich The Lord, machten aber kurze Zeit später als New Lords mit einem geänderten musikalischen Konzept weiter. Obwohl die Gruppe gute Musik machte, wurde sie vom Publikum gänzlich ignoriert. Aufgrund der Mißerfolge löste sich die Band 1973 auf. 1976 kam es zu einer Neuauflage der Lords. Sie nahmen gelegentlich neue Singles auf, die sich zwar nicht sonderlich gut verkauften, aber mit ihren Liveauftritten vor allem ab Ende der 80er bei diversen Oldie-Festivals gehörte die Gruppe mit ihren schönen Oldies zu den gefragtesten und gefeiertsten Acts. Mit dem Tod des sympathischen und rührigen Lord Ulli vor wenigen Jahren starb auch die Gruppe. Der Sampler „The Orignal Single Collection“ bietet einen einzigartigen Einblick in das Schaffen der Lords. Lückenlos und in chronologischer Reihenfolge sind hier auf 2 CDs alle Single A-und B-Seiten der Jahre 1964-1981 versammelt. Ein wirklich toller Sampler, der beste Unterhaltung garantiert und der in keiner Oldiesammlung fehlen sollte. |