****** Nach dem überraschenden Erfolg seines Solo-Debüts legte der ehemalige Sänger von Genesis 1978 mit seinem zweiten Album entsprechend nach. Da er nun einmal ein Ausnahmekünstler war, gab er auch diesem Werk keinen Titel, es war schlicht und einfach mit Peter Gabriel betitelt (in Katalogen wird es als „II“ bzw. „Peter Gabriel II“ gelistet). Da er nun einmal ein Ausnahmekünstler war, von dem die Musikwelt außergewöhnliche Werke erwartete, scherte er sich seinen feuchten Kehricht um gängige Trends und schielte nicht auf die Verkaufszahlen seiner Werke. Ihm ging es in erster Linie darum, das Medium Langspielplatte als Spiegelbild seiner Kreativität, seiner Seele zu nutzen. Mit diesen Ambitionen verhielt er sich auf einen völlig entgegengesetzen Kurs, den seine ehemalige Gruppe Genesis im gleichen Jahr einschlugen. Während Genesis 1978 mit ihrem elften Werk „And Then There Were Three“ einen kommerziellen Weg einschlugen und in den kommenden Jahren eine Reihe Singlehits landen konnten (wobei angemerkt werden muß, daß die Gruppe bis 1982 trotzdem noch gute Alben einspielte), spielte Peter mit ist „II“ ein äußerst sperriges, düsteres Werk. Die insgesamt 11 Stücke seines zweiten Werks (von ihm und Robert Fripp produziert) entziehen sich jeglichen Massengeschmacks, geschweige denn verfügen sie so gut wie über kein Hitpotential. Für jeden anderen Künstler wäre eine solche Politik künstlerischer Selbstmord gewesen, nicht so für Peter Gabriel. Ähnlich wie sein Landsmann David Bowie hätte er alles veröffentlichen können, seine große Anhängerschaft hätte alle bereitwillig gekauft und ihm mit den erzielten Einnahmen weitere Projekte dieser Art finanziert. In den 11 Liedern beschäftigt sich Peter Gabriel aus seiner Sicht in der Ich-Form mit Themen wie Außenseiter am Rande der Gesellschaft, Gewalt, menschlicher Vereinsamung und die Trostlosigkeit des Lebens. Der düstere Charakter der einzelnen Texte erhält durch die teilweise sperrige Musik und Peter Gabriels sehr markanter Stimme zeitweise eine bedrohliche Atmosphäre. Gelegendlich dringt (musikalisch) seine Genesis Vergangenheit durch (etwa in „Exposure“), er bietet leichte Reggaeanklänge („A Wonderful Day In A One-Way World“) oder es klingt schon einmal wie John Lennon („Flotsam And Jetsam“) oder David Bowie („Perspective“). Die Texte handeln von Außenseitern der Gesellschaft („On The Air“), Konsumterror („A Wonderful Day In A One-Way World“), dem nahenden Ende („Indigo“) oder vom trostlosen Leben in einer Trabantenstadt, das in einer Tragödie endet und für den Erzähler letztendlich doch ein Glücksfall darstellt („Home Sweet Home“). Alles in allen bietet Peter Gabriel mit seinem zweiten Album ziemlich schwere Kost, die sich einem erst nach und nach eröffnet. Wer das Album nur oberflächlich hört, der wird enttäuscht sein und es sich möglicherweise kein zweites Mal anhören. Man muß „Peter Gabriel II“ schon Zeit geben, dann eröffnet sich einem ein faszinierendes, zeitweise verstörendes Werk. |